Ausländische Hotelgesellschaften erobern China

21 Februar 2008

Quelle: bfai, 19. Februar 2008

Zahlreiche Neueröffnungen bis 2010 / Lieferchancen für Anbieter von Gebäudetechnik und Hotelausstattung

Ausländische Hotelgesellschaften dominieren in China das Fünf-Sterne-Segment. Sie benötigen nicht nur moderne Gebäudetechnik, sondern auch hochwertige Haushaltwaren oder Sanitärkeramik, die sie oftmals importieren. Daraus ergeben sich umfangreiche Lieferchancen für die Zukunft, denn zwischen 2008 und 2010 werden mehrere Hundert Häuser ihre Tore öffnen. Die meisten entstehen außerhalb der Boomregionen im Landesinneren. Auch die Sonderverwaltungsregion (SVR) Macau zieht zahlreiche Investoren an.

Wer nach China reist, kann bereits jetzt in einem der zahlreichen Hotels ausländischer Ketten übernachten. Nach Angaben der China National Tourism Administration (CNTA) waren Anfang 2008 über 40 internationale Gesellschaften im Land vertreten. Sie betrieben mehr als 500 Häuser. Zumeist handelt es sich um Fünf-Sterne-Hotels, die in den wichtigsten Zentren des Landes gelegen sind.

Dort treten sich die Anbieter aber bereits auf die Füße. Insbesondere in Beijing dürfte sich die Situation zuspitzen. Pünktlich zum Beginn der Olympischen Spiele 2008 eröffnen dort zahlreiche Häuser. Ähnlich sieht die Lage künftig in Shanghai aus. Dort lockt die Weltausstellung 2010 zahlreiche Hotelgesellschaften an und treibt das Zimmerangebot weiter in die Höhe. Die ausländischen Ketten konzentrieren sich daher mittel- und langfristig auf die sogenannten Second-Tier Cities. Dabei handelt es sich um Metropolen mit mehreren Millionen Einwohnern im Landesinneren beziehungsweise außerhalb der ökonomischen Zentren.

In diesen Städten besteht ein teilweise enormer Nachholbedarf nach Fünf-Sterne-Häusern. Getrieben wird die Nachfrage einerseits von der anziehenden ökonomischen Entwicklung des Hinterlandes, denn in den Boomregionen steigen die Produktionskosten rasch an und Unternehmen verlagern ihre Fertigung. Zudem gewinnt der Inlandstourismus stark an Bedeutung. Immer mehr Chinesen können sich eine Flugreise leisten und erkunden das eigene Land. Dabei wollen viele nicht mehr nur in einfachen Herbergen absteigen.

Mehrere Hundert Hotels ausländischer Gesellschaften dürften zwischen 2008 und 2010 in China ihre Tore öffnen. Wie die Pläne der großen internationalen Ketten zeigen, werden in ganz China Expansionen in Angriff genommen.

Einen Investitionsschwerpunkt bildet die Sonderverwaltungsregion (SVR) Macau. Seit der Liberalisierung des Spielbankensektors haben US-amerikanische Gesellschaften einen zweistelligen US$-Mrd.-Betrag in riesige Kasino-Hotel-Komplexe gepumpt. Im Herbst eröffnete das 3.000 Zimmer große „Venetian“ seine Tore. In unmittelbarer Nachbarschaft entstehen zahlreiche weitere Hotels. Bis 2011 sollen rund 20 Vier- und Fünf-Sterne-Häuser kommen.

Besonders aktiv in China ist die US-amerikanische Starwood-Gruppe. Sie will alleine bis Ende 2009 knapp 40 Hotels der Marken Westin, Four Points, Sheraton und Meridien eröffnen. In Guangzhou, der Provinzhauptstadt Guangdongs, plant die Gesellschaft gleich ein halbes Dutzend Luxushotels. Im ehemaligen Kanton gab es – obwohl die Region zur reichsten des Landes gehört – bis 2007 kein einziges Fünf-Sterne-Haus nach westlichem Standard.

Damit soll nun Schluss sein. Bis 2010 werden in der gesamten Provinz nach Angaben der Guangdong Provincial Tourism Administration zwischen 40 und 50 Luxushotels entstehen. Die meisten von ihnen werden in Guangzhou gelegen sein, denn die benachbarten Metropolen wie Dongguan oder Shenzhen sind bereits bestens ausgestattet.

Im nur wenige Kilometer entfernten Hongkong ist die Hotelkonjunktur derweil flau. Die Anzahl der verfügbaren Zimmer dürfte sich zwischen 2008 und 2010 nur geringfügig erhöhen. Die Branche leidet unter den stark gestiegenen Mieten und Grundstückspreisen, die einen Hotelbetrieb immer unrentabler machen. Anfang 2008 wird das erst 1993 fertiggestellte Ritz Carlton sogar abgerissen.

Die französische Accor-Gruppe ist ebenfalls ein wichtiger Mitspieler in China. Sie unterhält nicht nur Luxushotels, sondern auch zahlreiche Häuser der sogenannten Tourismusklasse. Insgesamt will der Konzern nach eigenen Angaben bis 2010 über 62 neue Hotels mit insgesamt 25.000 Zimmern im Reich der Mitte eröffnen. Anfang 2008 unterhielt er „nur“ 50 Häuser mit 15.000 Zimmern.

Auch die Mariott-Gruppe blieb nicht untätig. Sie plant bis 2010 die Eröffnung von 20 neuen Häusern, und zwar ausschließlich im Premiumsegment. Der Konkurrent Shangri-la visiert bis 2011 rund 12 zusätzliche Luxushotels in der Volksrepublik an. Seine Strategie zielt jedoch nicht so stark aufs Hinterland wie die der Wettbewerber. Anlässlich der Weltausstellung 2010 in Shanghai sollen dort drei zusätzliche Hotels auf den Markt kommen.

Hotelprojekte in China (Auswahl) *)

Akteur Geplante Neueröffnungen Regionale Schwerpunkte
Starwood (Westin, Sheraton, Four Points, Meridien) Bis 2009: 38 Häuser, bis 2011: 41 Häuser Guangzhou, Tianjin, Macau Hainan
Accor (Novotel, ibis, Mercure, Sofitel) Bis 2010: 62 neue Häuser mit 25.000 Zimmern Landesinnere
Intercontinental Group (Holiday Inn, Intercontinental, Crown Plaza) 58 Hotels im Jahr 2008 k.A.
Shangri-la Bis 2011: 12 neue Häuser Shanghai
Mariott Bis 2010: 20 neue Häuser k.A.
Mandarin Oriental Bis 2010: 4 Häuser Südchina
Hyatt 2008: 3 Häuser  

*) einschließlich Hongkong und Macau
Quelle: Unternehmensangaben

Die Investitionspläne bieten umfangreiche Geschäftsmöglichkeiten für die verschiedensten Zulieferbranchen, denn die Häuser sollen internationale Standards in Sachen Komfort und Sicherheit erfüllen. Einheimische Produkte können den hohen Ansprüchen dabei nicht immer genügen. Wer einmal in China sein Zimmer inspiziert, dürfte feststellen, dass zahlreiche Artikel von ausländischen Anbietern stammen.

Auch die Einkaufschefs der großen Hotelketten bestätigen, dass auf ihren Bestelllisten viele westliche Namen auftauchen. Lieferchancen gebe es einerseits auf dem Gebiet der Gebäudetechnik. So benötigen die oft mehrere Hundert Meter hohen Häuser eine moderne Sicherheits- und Überwachungstechnik. Auch im Bereich Klimatisierung und Beleuchtung bekommen oftmals internationale Systemanbieter den Zuschlag.

Weitere Chancen ergeben sich bei der Ausstattung der Zimmer, aber auch der Hotelküchen. Vor allem die Restaurants benötigen hochwertiges Porzellan und Besteck, das zudem belastungsfähig und einfach zu reinigen sein muss. Produkte aus Europa erfreuen sich daher besonderer Beliebtheit. Auch bei der Ausstattung mit Kochgeschirr und Elektrogeräten besteht Bedarf an Importartikeln.

In den Badezimmern der Hotels kommt nach Angaben eines Branchenkenners überwiegend ausländische Sanitärkeramik zum Einsatz. Chinesische Konkurrenzprodukte seien zwar nahezu zehnmal billiger als Einfuhren, dafür müsse man sie allerdings auch nach wenigen Jahren wieder austauschen.

Positiv für deutsche Zulieferer wirkt sich aus, dass in den meisten Luxushotels internationales Personal im Verwaltungs- und Gastronomiebereich arbeitet. In vielen Fällen stammen der Küchenchef oder der General Manager sogar aus Deutschland. Das erleichtert die Kontaktaufnahme. Zudem dürften ihnen zahlreiche Marken- und Nischenanbieter aus ihrem Heimatland, die ansonsten in China wenig bekannt sind, geläufig sein.


Indiens Hotellandschaft wird vielfältiger

21 Februar 2008

Quelle: bfai, 19. Februar 2008

Angebot an Budget-Hotels und Serviced Apartments wächst 

Die indische Tourismusindustrie leidet nach wie vor unter einem Mangel an Übernachtungsmöglichkeiten. Die Hotelpreise in den Metropolen Delhi, Mumbai und Bangalore zählen inzwischen zu den höchsten der Welt. Vor allem bei großen Messen werden die Hotelzimmer knapp. Geschäftsreisende und Langzeitbesucher loten daher Alternativen aus, um ihre Reisekosten zu drücken. Speziell für diese Kundengruppe sollen in den nächsten Jahren immer mehr Budgethotels und Service-Apartments errichtet werden. (Kontaktanschrift)

Der indische Tourismussektor hat seit Jahren mit steigenden Besucherzahlen und nicht ausreichenden Übernachtungsmöglichkeiten zu kämpfen. Insbesondere in der Hauptreisezeit von September bis März und während wichtiger Messen sind die Hotels in den Großstädten schnell ausgebucht. Und das, obwohl die Zimmerpreise inzwischen zu den höchsten weltweit gehören. Ganz vorne liegt die IT-Metropole Bangalore, wo laut einer Studie der Unternehmensberatung Indus View die Übernachtung in einem Doppelzimmer mit Preisen zwischen 350 und 500 US$ zu Buche schlägt. Auf Rang zwei folgt Mumbai mit Raten von 250 $.

Seit 2004 haben sich die durchschnittlichen Übernachtungspreise in Delhi, Mumbai, Banglore, Kolkata und Chennai nahezu verdreifacht. Die Federation of Hotel & Restaurant Associations of India (FHRAI) erwartet bis 2010 keine Entspannung bei den Zimmerpreisen. Im Gegenteil: In den nächsten drei Jahren sollen die „Average Room Rates“ (ARR) zwischen 15 und 20% per annum zulegen, in Mumbai sogar um 30%, so eine Prognose des Verbandes. Lediglich für Bangalore erwartet FHRAI einen moderaten Anstieg um 5%.

Die Belegungsquote der Hotels lag im Finanzjahr 2006/07 (1.4. bis 31.3.) bei 74% und soll bis 2009/10 auf über 80% steigen. Erst ab 2010, so die Einschätzung der FHRAI, werden die Zimmerpreise wieder sinken. Bis dahin sollen eine Reihe großer Hotelvorhaben in den Metropolregionen des Landes fertiggestellt sein. Das Investitionsvolumen der bislang angekündigten Expansions- und Greenfieldprojekte beläuft sich laut FHRAI auf rund 2 Mrd. $.

Nach Branchenschätzungen gibt es in ganz Indien derzeit etwa 110.000 Zimmer im Markensegment, also Unterkünfte, die in eine der sechs Sternekategorien (Ein Stern bis Fünf-Sterne-Deluxe) beziehungsweise die Sparte „Heritage Hotel“ fallen. Zum Vergleich: London alleine hat 90.000 Zimmer in diesen Kategorien zu bieten, New York 75.000. FHRAI schätzt den Bedarf bis 2010 auf zusätzlich 125.000 Übernachtungsmöglichkeiten, alleine in Mumbai fehlen schätzungsweise 10.000 Zimmer, so der Verband.

Kein Wunder, dass angesichts des knapper werdenden Angebots und steigender Zimmerpreise die Suche nach alternativen Unterbringungsmöglichkeiten wächst. Vor allem Geschäftsreisende, die etwa 80 bis 90% der Hotelgäste in den Metropolen ausmachen, setzen verstärkt auf preisgünstige Budget-Hotels und bei längeren Aufenthalten auf Service-Apartments.

Bislang ist das Angebot in den beiden Kategorien zwar noch gering und auf die indischen Großstädte beschränkt. Doch das Potenzial – insbesondere von Budget-Hotels – wird von Branchenbeobachtern positiv eingeschätzt. Die Unternehmensberatung HVS International geht davon aus, dass etwa die Hälfte aller bis 2012 errichteten Hotelzimmer in Budget-Hotels der Kategorien 3- und 4-Sterne fallen werden. Grund für diese positive Entwicklung ist die Tatsache, dass immer mehr internationale sowie die großen indischen Hotelketten diese Klientel bedienen möchten.

Insgesamt sollen bis 2015 etwa 40 Unternehmen aus dem Hotelgewerbe Budget-Unterkünfte auf dem Subkontinent eröffnen. Mit derzeit elf Häusern ist die zur Tata Group gehörende Roots Corp. mit ihrer Marke „Ginger“ führend in diesem Segment. Abgesehen von Bangalore befinden sich die Hotels in aufstrebenden Tier-2-Städten wie Pune, Vadodara und Haridwar. Das Unternehmen möchte in den nächsten Monaten weitere sieben Häuser eröffnen, darunter auch in der Hauptsstadt New Delhi. Bis Ende 2008 sollen insgesamt 30 neue Hotels mit einer Bettenkapazität von 3.000 den Betrieb aufnehmen.

Das indische Unternehmen Fortune Park Hotels beabsichtigt laut Presseinformationen, bis 2012 insgesamt 60 Unterkünfte im Budgetbereich zu eröffnen. Den Investitionsbedarf beziffert die Firma auf 1,3 Mrd. indische Rupien (iR; 22,5 Mio. Euro; 1 Euro = 57,65 iR). Doch nicht nur indische Hotelketten engagieren sich in diesem Segment. Die französische Accor Group möchte künftig mit seinem Brand „Formule 1″ auch auf dem Subkontinent vertreten sein und kooperiert bei ihrem Markteinstieg mit Emaar MGF.

Neben den Budget-Hotels etablieren sich zunehmend auch Service-Apartments, die vor allem auf das Klientel der Langzeitgeschäftsreisenden abzielen. Laut FHRAI fallen rund ein Fünftel der Hotelgäste in diese Kategorie. Der Verband schätzt daher den Bedarf an komplett eingerichteten Wohnungen alleine in den vier Metropolen auf mindestens 600 Einheiten. Die Übernachtungspreise liegen im Schnitt 50% unter denen von Fünf-Sterne-Hotels.

Laut einer Untersuchung des Branchenmagazins „Jaaydaad“ unter Anbietern von Service-Apartments in der Hauptstadtregion liegen die Tagesmieten je nach Größe, Ausstattung und Lage des Objektes zwischen 3.000 iR (Studio-Apartment) und 5.500 iR (zwei bis drei Schlafzimmer). Die Preisspanne für die Anmietung von einer Woche reicht von 21.000 bis 45.000 iR, für die monatliche Nutzung von 50.000 bis 300.000 iR.

Das Interesse der Bau- und Immobilienbranche an der Entwicklung von Service-Apartments wächst. Nach Angaben der Delhi Development Authority (DDA) liegen derzeit 30 Anträge zum Bau von entsprechenden Unterkünften vor. In den angrenzenden Städten Noida und Gurgaon wurden bereits 40 beziehungsweise 50 Genehmigungen erteilt. In der Hauptstadtregion ist die Situation besonders dringlich, da hier 2010 die „Commonwealth Games“ stattfinden und laut Stadtverwaltung bis dahin 30.000 zusätzliche Übernachtungsmöglichkeiten geschaffen werden müssen. Darüber hinaus befinden sich derzeit Projekte in Bangalore, Chennai und Hyderabad im Bau.

Kontaktanschrift:
Federation of Hotel & Restaurant Associations of India (FHRAI)
B-82, 8th Floor, Himalaya House, 23,Kasturba Gandhi Marg, New Delhi – 110 001
Tel.:             0091 11/23 31 87 81       , Fax: -23 32 26 45
E-Mail: , Internet: www.fhrai.com