Nordzypern will Tourismuspotenzial stärker nutzen: Investitionen in Hotelanlagen / Republik Zypern baut Flughäfen aus

13 März 2008

Quelle: bfai, März 2008

Das unter türkischer Verwaltung stehende Nordzypern will sein großes touristisches Potenzial besser nutzen. Insgesamt 15 Grundstücke wurden jetzt für den Bau von Ferienhotels zugeteilt. Bislang ist der Tourismus in Nordzypern noch wenig entwickelt. Trotz des vergleichbaren Angebots landschaftlicher und historischer Attraktionen erreicht sowohl die Zahl der Reisenden als auch deren Ausgaben im Nordteil der Mittelmeerinsel nur etwas mehr als ein Zehntel des in der Republik Zypern verzeichneten Niveaus. (Kontaktanschrift)

Wie in der Südhälfte der Mittelmeerinsel hat der Tourismus in Nordzypern einen Anteil von über 10% am Bruttoinlandsprodukt. Absolut gesehen ist die Branche aber noch wenig entwickelt. Die überwiegende Mehrheit der Besucher kommt aus der Türkei, daneben nutzen Reisende aus dem Süden die Möglichkeit, Ausflüge in den Norden der Insel zu unternehmen.

Beide Inselhälften setzen auf einen Ausbau des Fremdenverkehrs. Die Republik Zypern will die Zahl der Besucher bis 2010 auf 3,5 Mio. steigern (2007: 2,4 Mio.). Dazu sollen zwei neue internationale Flughäfen in Paphos (geplante Eröffnung im November 2008) und Larnaka (November 2009) in Betrieb genommen werden. Stärker als bisher sollen auch in der Nebensaison Gäste ins Land kommen und außerdem länger bleiben. Besucher aus Großbritannien bilden im Süden der Insel mit über der Hälfte der Übernachtungen die mit Abstand wichtigste Besuchergruppe.

Trotz eines vergleichbaren Angebots von landschaftlichen und historischen Attraktionen wird das Potenzial Nordzyperns mit rund 335.000 Touristen im Jahr bisher noch deutlich weniger genutzt als das der Südhälfte der Insel. Ende 2007 gab es in Nordzypern 130 touristische Einrichtungen, die Bettenzahl lag bei 15.800. Unter den Hotels gehören elf in die Luxuskategorie mit fünf Sternen. Auch in Nordzypern entfällt auf Besucher aus dem Vereinigten Königreich nach den Türken die größte Zahl der Ankünfte. Der Flughafen Ercan wird regelmäßig von der Türkei aus angeflogen.

Trotz der vergeblichen Bemühungen um eine Beilegung des Konflikts zwischen den beiden Hälften der Insel stieg nach Aussagen des Wirtschafts- und Tourismusministers der Türkischen Republik Nordzypern, Erdogan Sanlidag, die Bauaktivität im Fremdenverkehr in den vergangenen drei Jahren deutlich an. Besonderes Interesse findet dabei das Gebiet Bafra, wo 15.000 neue Hotelbetten entstehen sollen. In der Provinz Karpaz sollen Naturschutzgebiete im Rahmen eines sanften Tourismus erschlossen werden. In sechs Dörfern der Region entstehen bis Ende 2008 insgesamt 180 Betten in Pensionen, zusätzlich entsprechende Restaurationsbetriebe.

Investor Bettenzahl Geplante Fertigstellung Wert (Mio. US$)
Eksen Tur. AS 1.350 2009 65
Yayöz Tur. Ltd. k.A. k.A. k.A.
Göctur Yat. Ltd. 1.200 2009 63
Kya Turis. AS 1.484 In Betrieb 60
Simsekler Ltd. 1.200 2010 70
Akfen Ins. Tur. k.A. k.A. k.A
Ada Kibris Ltd. 1.100 2009 50
Sunny Valley Ltd. 600 k.A. k.A.
Kocoglu Tur. AS 1.300 2010 60
Bilgili Tur. AS k.A. k.A. k.A.
Güral Por. Tur. k.A. k.A. k.A.

Quelle: KKTC Ekonomi ve Turizm Bakanligi

In größerem Maßstab denkt die Net Holding, die bereits seit dem Jahr 2000 das Luxushotel Merit Crystal Cove mit Kasino und Kongresszentrum betreibt. Im April 2008 soll das Merit Lefkosa Hotel seine Pforten öffnen, womit die Gruppe auf eine Kapazität von 1.300 Betten in Nordzypern kommt. Weitere Projekte des Unternehmens sind das Luxushotel Monte Mare, das Angebote sowohl für Kongressreisende als auch für Wellness-Touristen bereitstellen soll und darüber hinaus auch ein Kasino enthalten wird sowie das Merit Afrodit Thalassotherapie-Zentrum und Hotel mit 400 Betten.

Presseberichte über bevorstehende Investitionen in den Fremdenverkehrssektor der Nordhälfte Zyperns und zum Teil kurz darauf folgende Dementis der potenziellen Bauherren illustrieren gleichzeitig den spekulativen Charakter des Engagements in der international nur von der Türkei anerkannten Inselrepublik.

Kontaktanschrift:
KKTC Ekonomi ve Turizm Bakanligi (Wirtschafts- und Tourismusministerium der Türkischen Republik Nordzypern)
Selcuklu Yolu, Lefkosa
Tel.: 0090 392/228 96 29; Fax: -228 56 25
Internet: www.ekonomiveturizmbakanligi.com


Tourismus auf den Seychellen boomt: Etliche Luxushotels werden gebaut / Deutsche Lieferchancen sind gut

13 März 2008

Quelle: bfai, März 2008

Nach einer langen Rezession hellt sich die wirtschaftliche Lage der Seychellen deutlich auf. Im Jahr 2007 wurde mit voraussichtlich rund 5,3% ein ungeahnt hohes BIP-Wachstum erreicht. Landeskenner prognostizieren auch für die kommenden Jahre 2008 und 2009 reale Steigerungsraten von mehr als 5,0%. Verantwortlich für den Aufschwung sind in erster Linie zahlreiche Investitionen in Hotels. Insbesondere auf der Hauptinsel Mahé ist die Bautätigkeit enorm hoch.

Im Jahr 2007 sind die Investitionen deutlich gestiegen. Bis 2009 hat die Regierung 34 neue Projekte bewilligt, etwa die Hälfte davon sind Luxusresorts. Sie verteilen sich wie folgt auf die Inseln: Mahé (23), Praslin (5), La Digue (2), Silhouette (2), Long Island (1) und Round Island (1). Darüber hinaus werden auf Eden Island Häuser sowie Geschäftszentren für geschätzte 450 Mio. US$ errichtet, welche von gutsituierten Ausländern erworben werden sollen, die dafür Aufenthaltsgenehmigungen erhalten.

Das angeblich größte Investitionsprojekt, das die Seychellen je gesehen haben, wird wohl noch im 1. Halbjahr 2008 begonnen. Dann will die südafrikanische Pinnacle Point Holdings (PPH) die Entwicklung des Luxusressorts Ile Aurore Nouvelle beginnen. Die kleine, fast unbewohnte Insel liegt im Nordosten der Hauptinsel Mahé. Auf ihr sollen zudem ein Kasino, ein Golfplatz, 144 Villen, 90 Eigentumswohnungen, ein Fünf-Sterne-Hotel sowie eine Flaniermeile am Wasser entstehen. Die Fertigstellung ist für 2012 geplant. PPH muss, um genügend Platz zu haben, etwa 60 ha Land gewinnen. Vor allem die zahlungskräftige Kundschaft aus dem Ausland soll von der Anlage angelockt werden. Ähnlich wie bei dem im Bau befindlichen Eden-Island, ist geplant, dass Käufer von Eigentumswohnungen eine ständigen Aufenthaltsgenehmigung von den Behörden erhalten.

Auch einige Fluggesellschaften engagieren sich im Hotelsektor. Seit Anfang 2005 fliegen die Emirates und Qatar Airlines die Seychellen an. Qatar Airways will nun ein Luxusresort bei Anse a La Mouche (West-Mahé) bauen, Emirates plant Ähnliches: Für etwa 253 Mio. US$ soll eine Luxusanlage bei Cap Ternay (Nordwest-Mahé) entstehen. Auf Desroches Island (ca. 230 km von Mahé entfernt) engagiert sich die südafrikanische Great Plans Safari und investiert in 28 Villen.

Projekt Wert Stand Anmerkung
Ile Aurore Nouvelle 9,2 Mrd. R Baubeginn 2008 Luxusresort inkl. Golfplatz wird von südafrikanischen Investoren gebaut
La Passe 25 Mio. US$ Im Bau Hotelanlage auf Silhouette Island mit 100 Chalets von der maledivischen Gruppe Universal Enterprises
Per Aquum Resort 22 Mio. US$ In der Planung Hotelanlage auf Silhouette Island. Investor: Universal Enterprises (Malediven)
Eden Island 450 Mio. US$ Im Bau Häuser sowie Geschäfte für Ausländer
Qatar Airways-Luxusresort k.A. In der Planung Anse a La Mouche (West-Mahé)
Emirates-Luxusresort 253 Mio. US$ In der Planung Cap Ternay (Nordwest-Mahé)

Der aufstrebende Tourismus ist der Hauptgrund, weshalb die Seychellen nach Jahren der wirtschaftlichen Stagnation inzwischen wieder auf Wachstumskurs sind. Im Jahr 2007 dürfte das BIP ein Plus von 5,8% erreicht haben. Um fast 15% nahm die Anzahl der Touristenankünfte im selben Jahr zu; es kamen über 161.000 Besucher ins Inselreich. Grund für die steigende Beliebtheit dürfte auch der Wertverfall der heimischen Währung Rupee sein. Diese verlor zwischen Oktober 2006 und Oktober 2007 etwa 43% zum US-Dollar.

Für deutsche Lieferanten von Elektrotechnik oder Haushaltsarmaturen dürften die Projekte auf den Seychellen durchaus Lieferchancen mit sich bringen. Importiert werden muss ohnehin alles, da lokal nichts hergestellt wird. Gefragt sein werden zudem hochwertige Produkte, bei denen deutsche Firmen zum Teil Marktführer sind. Mitunter interessante Lieferchancen werden von deutschen Unternehmen bislang allerdings kaum wahrgenommen.

Sie überlassen die Zuständigkeit für die Marktbeobachtung der Seychellen meist ihren Handelsvertretern in Südafrika. Ob sie dort gut aufgehoben ist, wird von Beobachtern jedoch bezweifelt. In den südafrikanischen Medien sind die Seychellen schlichtweg nicht existent, die Geschäftswelt in Südafrika hat damit fast keine Möglichkeit, sich über das Wirtschaftsgeschehen auf den Seychellen auf dem Laufenden zu halten. Ein Handelsvertreter aus Mauritius ist meist sehr viel besser über die Region informiert.

Deutsche Unternehmen könnten alternativ auch erwägen, sich durch französische Außenhändler vertreten zu lassen, die zu den Seychellen oft intensive Beziehungen unterhalten. Französische Vertreter erhalten zudem kräftige Unterstützung vor Ort durch ihre französische Botschaft. Einige wenige deutsche Unternehmen nutzen bereits diesen französischen Vertriebsweg.